Die Schuldenorgie von Präsident Obama

 

Ohne die gigantische Neuverschuldung der derzeitigen Administration, wäre die US-Wirtschaft seit 2009 nicht gewachsen.

 

Laut FRED, Federal Reserve Economic Data, der Wirtschaftsdatenbank der Notenbank-Filiale St. Louis betrug der Schuldenstand (Federal Debt Held by the Public) der US-Regierung bei Amtsantritt von Präsident Obama 6,8 Billionen Dollar. Bis zum Oktober des Jahres 2015 war er auf 13,7 Billionen Dollar angeschwollen. Das heißt, in sechs dreiviertel Jahren hat Präsident Obama mehr Schulden aufgenommen als alle 43 Präsidenten in der 240-jährigen Geschichte der USA vor ihm zusammengenommen. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt betrug der Schuldenanstieg der letzten sieben dreiviertel Jahre, das letzte Jahr der Bush-Regierung noch dazu gerechnet, 39 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. In dieser Zeitspanne ist das Bruttoinlandsprodukt allerdings nur um 24 Prozent gewachsen. Soviel zu dem Argument der Befürworter von höheren Staatsausgaben. In ihrer Argumentationskette wird ja oft vorgebracht, dass, wenn der Staat ein Prozent des Bruttoinlandsproduktes auf Kredit mehr ausgibt, für sinnvolle Maßnahmen wie zum Beispiel die Arbeitsförderung oder die Infrastruktur, würde das Bruttoinlandsprodukt mit einem Multiplikator von zwei oder zumindest 1,5 wachsen. Da kann man ganz klar sagen, dass diese Theorie einfach falsch ist. 39 Prozent zusätzliche Nachfrage haben insgesamt nur zu einem Wachstum von 24 Prozent geführt. Hätte Präsident Obama auf seine Schuldenorgie verzichtet und jeweils einen ausgeglichenen Haushalt vorgelegt, wäre die US-Wirtschaft seit der Finanzkrise ständig weiter geschrumpft. Da man mit Sicherheit davon ausgehen kann, dass die nächste US-Präsidentin den Schuldenstand nicht nochmal wird verdoppeln können, fragt man sich, wie die US-Wirtschaft in den nächsten Jahren ohne diese zusätzliche auf Pump finanzierte Nachfrage wachsen soll. Dies scheint auch der Punkt zu sein, auf den der DAX allergisch reagiert. Sobald aber das Wachstum der Weltwirtschaft infrage steht, bekommt der DAX einen Anfall, so wie im August des letzten Jahres, als wegen eines Sturzes des Renminbi um drei Prozent das chinesische Wirtschaftswachstum in Zweifel gezogen wurde, als auch im Januar und Februar dieses Jahres, als zunächst die als unzureichend angesehenen Ankurbelungsmaßnahmen von Mario Draghi und dann schwächere US-Wirtschaftsdaten den DAX jeweils 20 Prozent in die Tiefe rissen. Wenn die Weltwirtschaft oder die US-Wirtschaft in die Rezession gleiten, sind die Möglichkeiten sie durch zusätzliche Staatsausgaben auf Kredit oder eine Senkung der Zinsen wieder anzukurbeln ausgeschöpft. Dann droht die Dauer-Rezession. Das macht den DAX offensichtlich Sorgen - und mir auch.

Bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt

 

Die Europäische Zentralbank will mit immer niedrigeren Zinsen die Anleger und die Unternehmer zu immer riskanterem Verhalten zwingen. Ob das gut geht?

 

Ich frage mich, wenn ein Unternehmen über eine Erweiterung nachdenkt und bei einem Zins für ein langfristiges Darlehen von drei Prozent zu dem Schluss kam, dass sich die Investition nicht lohnt, sie nun Geld zu einem Prozent geliehen bekommt und das Projekt dann wegen der billigen Finanzierung angeht, macht das Sinn? Ist das ein aussichtsreiches Projekt, das sich bei drei Prozent nicht rechnet aber einem Prozent schon? Diese Frage muss sich auch jeder Investor stellen. Wird er nicht durch die niedrigen Zinsen in Anlagen gedrückt, die er freiwillig nie in Erwägung gezogen hätte? Der eine oder andere ist durch die niedrigen Zinsen verleitet worden eine Immobilie zu kaufen, die er besser nicht gekauft hätte. Weil es keine sicheren Zinsen in nennenswerter Höhe mehr gibt, sind viele Anleger in ihrer Not für ihren Ruhestand Erträge erzielen zu müssen auf Bauernfänger reingefallen. In ihrer Verzweiflung glaubten sie an die acht Prozent von Prokon oder German Pellets. Anleger investieren in Hochzinsanleihen in dem Wahn ihr Geld eines Tages wieder zu sehen. Dass die Europäische Zentralbank versucht mit immer niedrigeren Zinsen die Anleger und die Unternehmer zu immer riskanterem Verhalten zu bewegen, damit bloß die Wirtschaft nicht zum Stillstand kommt und dann der Schuldenberg in sich zusammenfällt, ist legitim. Aber muss ich als Anleger mein Geld oder ein Teil meines Geldes verbrennen, nur damit die Konjunktur brummt? Deshalb sollte es kein Argument sein, Aktien zu kaufen, weil es sonst keine Zinsen gibt. In den vergangenen Jahrzehnten war im Mittel der Ertrag, den man mit einer Aktienanlage langfristig erzielt hat, genauso groß wie der, den man in der gleichen Zeit mit zehnjährigen Bundesanleihen erreicht hätte, die lange Zeit unterschiedliche Besteuerung nicht eingerechnet. Das ist nicht zufällig so. Im Moment liegt die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen bei 0,3 Prozent pro Jahr. Damit ist der Erwartungswert einer Anlage, egal ob Anleihe oder Aktie, ebenfalls 0,3 Prozent pro Jahr für die nächsten zehn Jahre. Das lässt sich nicht steigern. Erhöhe ich das Risiko, steigt in gleichem Maße die Ausfallwahrscheinlichkeit. Kaufe ich zehn verschiedene riskante Anleihen mit je fünf Prozent Rendite, fallen statistisch drei aus und ich habe nach zehn Jahren den gleichen Ertrag wie mit der Bundesanleihe. Der Markt ist in sich schlüssig gepreist. Auch Bundesanleihen und DAX sollten auf zehn Jahre Sicht etwa das gleiche Resultat liefern. So war es jedenfalls im Mittel in der Vergangenheit. Damit notiert der DAX in erster Näherung in zehn Jahren bei 10.300 Punkten.

 

 

 

 

Am Gipfel vorbei gezielt

Ein Kursziel wird in der Regele nicht erreicht. Wer kauft bei einem Ziel von 130 Euro noch bei 128?

Bei Aktienempfehlungen von Brokern, Banken oder Research-Instituten werden immer Kursziele für die besprochenen Aktien angegeben. Die betreffende Aktie, die bei 100 Euro notiert, wird zum Beispiel mit dem Kursziel 130 Euro zum Kauf empfohlen. Wenn man nun die Aktie auf Grund der positiven Einschätzung der Analysten zu 100 Euro kauft, hat man den wahrscheinlichen Gewinn von 30 Prozent bis zum Verkauf schon fest eingeplant. Was man sich dabei allerdings fragen muss, ist, wenn der faire Wert oder das Kursziel bei 130 liegt, warum steht sie da nicht schon. Hat der Analyst irgendetwas übersehen oder nicht verstanden oder die übrigen Anleger? Dieses Kursziel jedenfalls, auf Grund dessen man die Aktie gekauft hat, schränkt die eigene Entscheidungsmöglichkeit ein. Den Verkauf bei 130 Euro hat man schon fest eingeplant. Man hat sich schon so über den kommenden Gewinn gefreut, dass sich das Kursziel im Gehirn festkrallt. So trifft man keine sinnvollen Entscheidungen mehr. Gibt der Kurs wider Erwarten nach, fällt es schwer zu verkaufen. Nicht, weil man fünf, zehn oder 15 Prozent Kursverlust nicht verkraften könnte, sondern weil die 30 Prozent Gewinn schon fest eingeplant waren. Ohnehin stellt sich mir die Frage, wenn das Kursziel 130 ist und dort der faire Wert liegt, wie soll die Aktie dann dahin kommen. Wer kauft dann noch bei 128? Oder bei 126? Ich habe den letzten 40 Jahren an der Börse schon so viele Gipfel erlebt. Alle wiesen eine Gemeinsamkeit auf: Am Gipfeltag lagen die Kursziele viel höher als der erreichte Gipfel. Während der Goldhysterie Ende der Siebziger Anfang der Achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts erreichte der Goldpreis im Jahr 1980 den damaligen Höchstpreis von über 900 Dollar. Danach fiel er 20 Jahre lang. Ich habe mich seither oft gefragt, wer in diesem Januar des Jahres 1980 bei 900 Dollar gekauft hat und warum. Der Käufer kann nicht gewusst haben, dass das der Gipfel sein würde. Er muss von viel höheren Prognosen ausgegangen sein. In einem damals populären Börsenbrief, den ich abonniert hatte, wurde felsenfest behauptet, dass der Goldpreis auf 1500 Dollar pro Unze steigen müsse. So und so viele Hunderte Milliarden Dollar seien im Geldmarkt geparkt und nur für X Milliarden würde pro Jahr Gold gefördert. Daraus ergebe sich zwangsläufig, dass der Goldpreis steigen müsse. Auf 1500. Die Argumentation hatte mir damals schon nicht einleuchtet. Bei jedem Hochpunkt, ob bei einer einzelnen Aktie oder beim Gold, müssen viele Prognosen da sein, die noch wesentlich über den aktuellen Kurs hinaus zielen. Das Wesen des Kursziels ist offenbar, dass es nicht erreicht wird.

Der Aktionär vom 6.4.2000. Verkaufssignal vom Börsenindikator

Der Dollar beherrscht das Parkett

Das gesamte unübersichtliche Ensemble der einzelnen Finanzmarktinstrumente tanzt im Takt des Dollars.

Es ist eigentlich die gleiche Bewegung, die die verschiedenen Märkte ausführen. Seit vier Jahren steigen der Dollar und die Aktienkurse und fallen im Gegenzug der Ölpreis und der Goldpreis. Den Takt gibt der Dollar vor, alle anderen Märkte ordnen sich ihm unter. Diese Hierarchie ist in der Größe der Märkte begründet. In Devisen wird über den Daumen weltweit zehnmal so viel gehandelt wie in Anleihen, in Anleihen zehnmal so vielen Aktien und den Aktien zehnmal so viel wie in Gold oder Öl. Wegen dieses Zusammenhangs der Märkte vermute ich, dass die Schwäche des Ölpreises und der anderen Rohstoffe nicht auf einem Überangebot oder einer Schwäche der Weltwirtschaft beruht. Nach Angaben der US Energy Information Administration beträgt die weltweite Überkapazität im Moment 1,8 Millionen Barrel und wird zum Ende des nächsten Jahres auf eine Million Barrel fallen. Im Jahr 2010, bei einem Ölpreis von 80 Dollar pro Barrel betrug diese Überschusskapazität vier Millionen Barrel. Ein Wert von einer Million Barrel, der für Ende des nächsten Jahres prognostiziert wird, sorgte in den Jahren 2007 und 2008 für Ölpreise, die über die 100-Dollar Marke schossen. Deshalb vermute ich, dass der starke Dollar hinter dem niedrigen Ölpreis steckt. Das letzte Mal, als der Dollarkurs im Jahr 2000 einen Gipfel bildete, erreichte der Ölpreis fast zeitgleich mit zwölf Dollar pro Barrel seinen Tiefpunkt. Die Aktien erklommen damals zum selben Zeitpunkt ihr Allzeit-Hoch. Nach diesem Dollarhöhepunkt drehte das Szenario und Dollar und Aktien fielen mehrere Jahre lang, während Gold und Öl unaufhörlich kletterten. Solch eine große Wende im Dollar, die auch einen Richtungswechsel für Aktien, Öl und Gold bedeuten würde, könnte im Verlauf des nächsten Jahres, vermutlich gegen Ende des Jahres, auf uns warten. Der letzte Gipfel des Dollars ist 15 Jahre her und der davor 16 Jahre zuvor. Im nächsten Jahr könnte es also wieder soweit sein. Wenn im nächsten Jahr der Basiseffekt der kollabierten Rohstoffpreise aus der Berechnung der Inflationsrate rausfällt, wird diese Rate gegen Ende des nächsten Jahres ohnehin auf über 1,5 Prozent anwachsen. Steigende Inflationsraten bedeuten Gift für die Börse. Ein fallender Dollar würde zusätzlichen Druck auf die Aktienkurse ausüben, wie der Mini-Draghi-Crash deutlich vor Augen führte. Mit einer steigenden Inflationsrate und einem fallenden Dollar wird deshalb auch ein Verkaufssignal des Börsenindikators im nächsten Jahr wahrscheinlich. Also irgendwann im nächsten Jahr könnte das gesamte Szenario drehen und mit einem fallenden Dollar auch die Aktienkurse nachgeben und Gold und Öl wieder steigen. Wann es soweit sein wird, wird der Dollarkurs anzeigen.

 

Der Aktionär #52/2015

Wo das Geld vergraben wird

 

Leider halten Rohstofffirmen in der Regel nicht, was man sich von sich ihnen verspricht. Die Möglichkeiten der undurchsichtigen Kapitalabflüsse sind zu vielfältig.

 

Goldmine klingt gut. Onkel Dagobert hatte auch eine, damals am Klondike. Kann also nicht verkehrt sein. Dennoch hätte man seinem Geld in den letzten Jahren nichts Schlimmeres antun können, als Silber- oder Goldminenaktien zu kaufen. Die berühmten Barrick haben sich nun bereits mehr als geviertelt. Um so mehr wundert mich, dass die vorher in Deutschland so oft empfohlen wurden. Von der solidesten Goldminenaktie der Welt und einem Kursziel von 60 Dollar war die Rede. Die Löcher in den Bilanzen hätte man jedenfalls von hier aus sehen können. Sie wurden mit ständiger Neuemission von Aktien notdürftig gestopft. Der Schuldenstand verdreifachte sich von 2007 bis 2012 trotz des steil ansteigenden Goldpreises. Eine Rohstofffirma aus Kanada überhaupt in Erwägung zu ziehen scheint mir ohnehin abwegig. Schon damals, bei der vorletzten Rohstoffblase um 1980, hieß es nicht ohne Grund, in Kanada könne man mit einer Dose Valvoline eine Ölfirma gründen, was offensichtlich viele auch gemacht haben. Die Börse Vancouver war das El Dorado der Schwindler. Ich erinnere mich noch an Golden Tech Resources. Die hatten allerdings weder mit Gold, noch mit Tech, noch mit Resourcen irgendetwas zu tun. Der einzige Daseinszweck war gutgläubige Anleger zu erleichtern. Hunderte Firmen sprossen aus dem Boden, die angeblich gerade dabei waren Goldminen zu erschließen oder unmittelbar vor einem gigantischen Ölfund standen, wahrscheinlich im eigenen Garten. Gepusht wurden diese Aktien von allerlei Börsenbriefen, die vermutlich am Reibach beteiligt waren. Alle Aktien besaßen wohlklingende Namen und alle fielen später wieder in sich zusammen. Die kanadische Goldminenfirma Bre-X etwa berichtete im Jahr 1997 vom größten Goldfund aller Zeiten auf Borneo. Die Aktien schossen in den Himmel. Der Höhenflug der Kurse fand jedoch ein jähes Ende, als der Chefprospektor der Firma einige Zeit später unter ungeklärten Umständen aus einem Hubschrauber in den Dschungel stürzte und herauskam, dass die angeblichen Goldgehalte der Probebohrungen alle gefingert waren. Bre-X entpuppte sich als eine der größten Aktienbetrügereien der Geschichte. Verurteilt wurde niemand. Schuld war offensichtlich der aus dem Hubschrauber gefallene Prospektor. Zu einer kanadischen Rohstoffaktie zu raten scheint mir deshalb von jeher sehr gewagt. Generell ist es bei Rohstofffirmen wie beim Bauherrenmodell. Wo genau der Gewinn anfällt und in wessen Tasche er fließt, lässt sich nicht festestellen. In die des Aktionärs beziehungsweise des Bauherren jedenfalls nicht.

Der Aktionär # /2014

Eine Bund-Blase wird befürchtet.

 

Die Kurse der Bundesanleihen seien zu hoch gestiegen und damit die Renditen zu tief gesunken. Ein Experte sprach sogar von der Mutter aller Spekulationsblasen. Kann das stimmen?

 

Da lohnt ein Blick in mein Lieblingsbuch: "A History of Interest Rates" von Sidney Homer, 662 eng beschriebene Seiten, vollgepackt mit Tabellen, dessen Lektüre wohl nur einem Zahlenfetischisten wir mir Freude bereitet. In der 5000-jährigen Geschichte der überlieferten Zinssätze, von den Sumerern über die Griechen, die Römer und das Mittelalter ist kein einziger Fall einer Spekulationsblase bei den Zinsen für Ausleihungen bekannt. Dazu kann es ja auch gar nicht kommen, da man an Anleihen keinen ungeplanten Gewinn machen kann. Man bekommt sie ja zu 100 zurück. Worauf soll man da setzen? Man kann höchstens short gehen und darauf spekulieren, dass die Rückzahlung nicht klappt, oder, wenn die Kurse gefallen sind, weil ein Kreditausfall befürchtet wird, unter 100 kaufen und hoffen, dass die Anleihen doch bedient werden. Aber auf was soll man bei Deutschen Bundesanleihen die alle über 100 notieren und zu 100 zurückgezahlt werden, spekulieren? Eine Spekulationsblase bei den Anleihen kann man also definitiv ausschließen und statt dessen davon ausgehen, dass der aktuelle Kurs die tatsächlichen Gegebenheiten korrekt widerspiegelt. In die Kursfindung von Anleihen geht ausser der Bonität des Schuldners, die bei der Bundesrepublik über jeden Zweifel erhaben ist, ausschließlich die vermutete künftige Inflationsrate ein. Für den Anleger ist nur wichtig, ob er mit seiner Transaktion Kaufkraft gewinnt, sonst investiert er nicht, weil es dann für ihn günstiger ist sofort etwas zu kaufen. Der Käufer einer 30-jährigen Bundesanleihe mit 1,8 Prozent Rendite geht also davon aus, dass die Inflationsrate in diesem Zeitraum im Mittel knapp über null liegen wird. Die fallenden Rohstoffpreise bestätigen diese Einschätzung. Der Preis für Eisenerz hat sich binnen eines Jahres halbiert, der für Silber sich seit 2011 gedrittelt und so weiter. Ein Ende der Rohstoffschwemme ist nicht in Sicht. Die düstere Prognose, dass bald alles zur Neige geht, mit der der "Club of Rome" die Weltöffentlichkeit seit über 40 Jahren malträtiert, war zu jedem einzelnen Zeitpunkt falsch. Bei fast allen Rohstoffen sind die bekannten Reserven heute höher als jemals zuvor. Alles ist im Überfluss vorhanden. Und wenn sich mal ein nachwachsender Rohstoff verknappt, wird im nächsten Jahr mehr angebaut und der Preis sinkt wieder, genau wie wir es in der Schule gelernt haben. So hat sich der Preis für Baumwolle seit 2011 geviertelt und der von Mais halbiert. Die Anleihemärkte und die Rohstoffpreise sprechen eine klare Sprache: Es führt kein Weg zurück in die Inflation und Zinsen, die diesen Namen verdienen, wird es nicht mehr geben.

Der Aktionär #  /2014

Noch 17 gute Aktienjahre

 

Der negative Rohstoff-Superzyklus wird die Inflationsrate noch sehr lange nach unten drücken. Dadurch könnten die Aktienkurse in noch nie gesehene Höhen getrieben werden.

 

Von 1969 bis 1980 verzehnfachte sich der Rohölpreis. Parallel dazu stiegen der Goldpreis und die Inflationsrate und mit ihr die Zinsen. Nach 1980 konnten durch den höheren Ölpreis so viele neue Quellen gefunden und wirtschaftlich erschlossen werden, dass der Preis fürs schwarze Gold danach 18 Jahre lang fiel, von 40 Dollar auf zehn Dollar pro Barrel im Jahr 1998. Mit ihm sanken Gold, Inflation und Zinsen, während sich die Aktienkurse verzehnfachen konnten. Nach 1998 begann eine erneute Verzehnfachung des Ölpreises und mit ihr eine deutliche Höherbewertung des Goldpreises. Nun, nach dem Preisanstieg bis zum Jahr 2011 sind wieder so viele neue Ölquellen gefunden worden, dass die nächsten 20 Jahre kein Mangel herrschen wird. Dieser 30-jährige Rhythmus der Rohstoffpreise und der Inflation lässt sich weit zurückverfolgen. Um 1920 kam es zu einer weltweiten Inflationswelle mit Raten von über 20 Prozent in den USA und in deren Folge zur Hyperinflation in Deutschland, die im Jahr 1923 ihren Höhepunkt fand. Danach sank die Teuerungsrate wieder unter null. Der nächste Rohstoff-/Inflationsbuckel trat um 1950 auf. Damals erreichte die Inflation Raten von über zehn Prozent und sank auch danach wieder auf unter null zurück. An die Rohstoff- und Inflationsblase um 1980 werden sich viele noch erinnern können. Der Goldpreis erreichte dabei Anfang 1980 einen Wert von 850 Dollar pro Unze. Auch die Preise von anderen Rohstoffen wie Weizen, Baumwolle und Kakao schossen in die Höhe. Die Teuerungsrate kletterte dabei in den USA auf fast 15 Prozent und in Deutschland auf über sechs Prozent. Danach ging es wieder 20 Jahre lang bergab. Gold und Öl viertelten sich und auch alles andere war auch auf einmal im Überfluss vorhanden. Mit den sinkenden Rohstoffpreisen gab auch die Inflationsrate nach und die Zinsen sanken in Deutschland von elf auf drei Prozent. Dies wirkte als idealer Treibsatz für die Börsenkurse. Von 1980 bis zum Jahr 2000 ging es steil bergauf. Danach war Schluss mit den Aktien und die Rohstoffpreise waren wieder dran mit Kursgewinnen. Nach der Spitze der Rohstoffpreise zwischen 2008 und 2011 sieht es nun wieder so aus, dass sie die nächsten 20 Jahre - das heißt, nur noch die nächsten 17 Jahre, denn der negative Rohstoff-Super-Zyklus ist ja schon seit drei Jahren in vollem Gange - wieder fallen werden. Dem entsprechend könnten nun 17 gute Aktienjahre folgen. Trotz einer Verzehnfachung des Ölpreises von 1998 bis 2011 lag die Inflationsrate im Mittel in dieser Zeit unter zwei Prozent. Wenn man nun bedenkt, dass die Rohstoffpreise in den nächsten 17 Jahren vermutlich nicht mehr steigen, sondern eher fallen werden, erkennt man, dass die Teuerungsrate in den nächsten 17 Jahren Mühe haben wird über die Null zu kriechen. Das heißt, nennenswerte Guthabenzinsen wird es wohl nie wieder geben. Damit fällt leider auch mein schöner Traum ins Wasser, eines Tages von den Zinsen leben zu können.

 

Der Aktionär #45/14

Der Aktionär #45/14

Gold und Silber liebte ich sehr

 

Stimmen die Annahmen, von denen der Anleihemarkt ausgeht, stehen die Aktien vor einer großen Aufwärtsbewegung und die Edelmetalle vor deutlichen Kursverlusten.

 

Zehnjährige Bundesaneihen rentieren mit einem Prozent. Im Mittel der Jahrzehnte lag diese Rendite zwei Prozentpunkte über der Teuerungsrate. Das heißt, der Anleihemarkt geht von einer Inflationsrate von unter null für die nächsten zehn Jahre aus. Die dreissigjährigen Papiere, die sich mit knapp über zwei Prozent verzinsen, sehen damit sogar stabile Preise für die nächsten 30 Jahre voraus. Die Meinung dazu in den deutschen Medien ist einhellig: Der Markt irrt sich            . Von einer Spekulationsblase bei den Anleihen ist die Rede und von einer falschen Geldpolitik, obwohl sich die Anleiherendite ohne Einfluss der Notenbank frei am Markt bildet. Ein ehemaliger Chefvolkswirt der Deutschen Bundesbank hält sogar die Finanzkrise für schuld an den niedrigen Renditen. Obwohl dazu schon eine gewisse Gedankenakrobatik gehört, den heutigen Kurs mit einem Ereignis vor fünf Jahren in Verbindung zu bringen, bei dem die Zinsen nur auf drei Prozent gefallen waren und nicht auf ein Prozent.

 

Aber was ist, wenn die zwei Billionen Euro, die in deutschen Bundesanleihen stecken, mit ihrer Kursfindung Recht haben? Wenn die Jahrgangsbesten von Harvard, die in New York die großen Pensionskassen und Investmenfonds führen oder beraten, etwas sehen, das wir nicht sehen? Dann würde eine neue Zeit anbrechen. Eine ganze Generation würde aufwachsen und nicht wissen, was Inflation und Zinsen sind. Dass man sein Geld zur Bank gebracht hat, damit es sich vermehrt, werden sie nur aus Erzählungen der Großeltern kennen. Was könnte der Grund dafür sein, dass möglicherweise die Konsumentenpreise 30 Jahre nicht mehr steigen werden, wie es die Anleihen signalisieren? Zunächst fällt der Blick auf das Öl, das in den letzten Jahrzehnten maßgeblich auf die Teuerung eingewirkt hat. Durch die Fracking-Revolution, die in China und Australien noch gar nicht begonnen hat, wird es Öl im Überfluss geben. Allein die Menge, die jedes Jahr in den USA zusätzlich neu gefördert wird, ist größer als der Zuwachs des Weltölverbrauchs. Die Welt wird im Öl schwimmen. Zusätzlichen Druck auf die Preise liefert die Preistransparenz des Internets. Mir fällt auf Anhieb kein Produkt ein, dass ich nicht heute im Internet günstiger bekomme, als ich es in den letzten zehn Jahren in irgend einem Geschäft gesehen habe. Für Kapitalanlagen verschieben diese Aussichten komplett den Maßstab. War eine Aktie mit einer Dividendenrendite von fünf Prozent bei einer Anleiherendite von ebenfalls fünf Prozent vor sechs Jahren vielleicht fair bewertet, wirkt sie heute bei einer Anleiherendite von einem Prozent, selbst wenn sie mittlerweile 30 Prozent teurer ist, krass unterbewertet. Sollte das Szenario stimmen, das uns der Anleihemarkt zu vermitteln versucht, sind gemessen am vermuteten künftigen Ertrag Aktien noch viel zu billig und Gold und Silber noch viel zu teuer.

 

Der Aktionär 41/14

Ein Prozent und noch tiefer

 

Alle gehen von bald steigenden Zinsen für Staatsanleihen aus. Deshalb wird vermutlich das Gegenteil eintreten.

 

Im Mittel der Jahrzehnte lag die Rendite von Staatsanleihen zwei Prozentpunkte über der Inflationsrate. Bei 1,3 Prozent für Bundesanleihen würde das bedeuten, dass die echte Teuerungsrate mittlerweile bei minus 0,7 Prozent angekommen wäre. Viele mag dies verwundern, wo doch subjektiv der Eindruck vorherrscht, alles würde teurer. Doch wenn man von Öl und speziell Grundstückspreisen und Mieten absieht, die ein inneres Verteilungsproblem, eine Machtfrage, darstellen - wieviel kann der eine dem anderen maximal abknöpfen? - ist unter Berücksichtigung der Qualitätsverbesserungen nicht alles deutlich teurer geworden. Der Weltmarkpreis für Weizen in unserer Währung gerechnet liegt bei einem Sechstel von 1974. Der Kasten Bier von meiner Heimatbrauerei kostet nicht mehr als zu meiner Schulzeit. Selbst Autos sind um vieles mehr besser geworden als teurer. Ein Mercedes 200 von 1974, ohne Airbag, Katalysator und ABS, in dem der Fahrer ein sechsfach höheres Risiko hat, bei einem Unfall zu sterben als in einem modernen Auto, ließe sich heute leicht für 10.000 Euro bauen, dem umgerechnet damaligen Preis. Fernseher, Kleidung, Telefon, Flugreisen und Fotoapparate sind deutlich billiger geworden. Der Weg zu niedrigeren Preisen oder besserer Qualität ist eine Einbahnstrasse.Wie man etwas zum momentanen Preis in der jetzigen Qualität herstellt, weiß man, warum sollte man es da teurer, gemessen an den Lohnkosten, oder schlechter produzieren. So kann nur alles besser oder billiger oder beides werden. Dieser Trend wird vermutlich die Zinsen für Staatsanleihen in Deutschland und den USA in den nächsten Jahren in Richtung ein Prozent oder sogar darunter drücken. Auch dass von 67 von Bloomberg interviewten Wirtschaftswissenschaftlern 67 mit steigenden Renditen bis Oktober rechnen, spricht dafür, dass genau das Gegenteil eintreten und die Rendite weiter sinken wird. Dieses Szenario der gegen eins fallenden Renditen könnte die Aktienkurse in eine ganz neue Dimension katapultieren. Viele Institutionen wie Versicherungen und Pensionsfonds sind in der Zukunft liegende Zahlungsverpflichtungen eingegangen, die sie mit hohen Zinsen decken müssen. Das Einzige, was bei einem Prozent Anleihezins noch mehr Rendite verspricht, sind Aktien. Wer meint, der Optimismus sei jetzt schon zu groß, der Aktienmarkt überbewertet und auf das Jahr 2000 verweist, wird sich wundern, wie hoch die Aktienkurse noch steigen können. Die 1999-er Hausse ist nicht am Überoptimismus gestorben, sondern hat den verdreifachten Ölpreis und den verdoppelten Zins nicht überlebt. Beides ist nun nicht in Sicht. Selbst eine etwaige erneute Krise wird diesen massiven Trend nicht auf Dauer zum Entgleisen bringen können. In der nächsten Krise fallen die Zinsen noch tiefer und steigen die Aktienkurse deshalb im Anschluss noch höher, wie schon bei der letzen Krise. 

Der Aktionär # 27/2014

Rosige Zeiten liegen vor uns

 

Keine Krise ohne vorher dramatisch steigende Ölpreise. Und die sind durch die neuen Fördertechniken für viele Jahre nicht in Sicht.

 

Der Wert einer Aktie gleicht theoretisch der Summe aller abgezinsten zukünftigen anteiligen Unternehmensgewinne. Abgezinst deshalb, weil zehn Euro, die ich heute bekomme, mehr wert sind als zehn Euro im nächsten Jahr und die mehr als zehn Euro im übernächsten Jahr, wegen des Zinses. Aus der Summation der zukünftigen abgezinsten Gewinne ergibt sich, dass die gleiche Aktie bei einem halbierten Zinssatz doppelt so viel wert ist. Deshalb sind der Zins und die Inflationsrate, nach der sich der Zins maßgeblich richtet, die Schlüsselgrößen für die weitere Aktienkursentwicklung. Die Inflationsrate folgte in früheren Jahrhunderten in der Regel dem Weizenpreis, doch in den letzten 50 Jahren hat der Ölpreis die Rolle als Schrittmacher für die Teuerung übernommen. Allen Rezessionen der letzten Jahrzehnte gingen stark steigende Ölpreise und in der Folge anziehende Inflationsraten und Zinsen voraus. Auch die letzte schwere Krise 2008 ging nicht nur auf das Konto der US-Immobilien, einen noch größeren Anteil hatte der auf 150 Dollar gestiegen Ölpreis und die daraufhin in den USA von eins auf fünf Prozent gestiegenen Zinsen. Die Aktieneuphorie 1999 war auch erst zu Ende, als die Zinsen im Jahr 2000 wegen des steigenden Ölpreises von zwei auf  über vier Prozent im Euroland angehoben wurden.

 

Im Jahr 2005 importierten die USA noch 13 Mio. Barrel Öl pro Tag, heute sind es noch nicht einmal fünf. Möglich gemacht haben diesen mittlerweile hohen Grad der Selbstversorgung die neuen Fördertechniken, wie das horizontale Anbohren von Lagerstätten und das hydraulische Aufbrechen von Gesteinsformationen, kurz "Fracking" genannt. Ohne die Fracking-Revolution und damit die 8 Mill. Barrell täglich, die die nun USA weniger importieren, stünde die Welt längst am Abgrund. Einen Vorgeschmack darauf haben wir 2008 und 2009 schon erlebt, als der Ölpreis 150 Dollar erreicht hatte. Hätte sich die amerikanische Förderung danach durch das Fracking nicht so dramatisch erhöht, wären Benzinpreise von über drei Euro pro Liter heute Realität. Firmensterben, Massenarbeitslosigkeit und Verteilungskriege wären an der Tagesordnung. Die neuen Fördertechniken haben uns davor gerettet. Und ein Ende des Fracking-Booms ist noch nicht in Sicht. Die so zugänglich zu machenden Lagerstätten in China und Australien übersteigen die Vorräte der USA bei Weitem. Das bedeutet, dass die Welt auf Jahrzehnte ausreichend mit Öl aus politisch stabilen Weltgegenden versorgt werden wird. So sind für viele Jahre stabile Konsumentenpreise und Zinsen nahe Null wahrscheinlich. Rosige Zeiten mit steigender Beschäftigung und zunehmendem Wohlstand könnten damit vor uns liegen. Die Aktienkurse werden sich diesem positiven Szenario auf Dauer nicht entziehen können.

Der Aktionär # 21/2014

Der moderne Abwertungswettlauf

 

Genau wie nach der Krise Anfang der Dreißigerjahre des letzten Jahrhunderts versuchen sich die Staaten durch Wechselkursmanipulationen in Position zu bringen. Höchste Zeit für die EZB zu handeln. 

 

Nach der großen weltweiten Depression 1932, die zwar nicht in der Stärke aber in der Struktur mit der letzten Finanzkrise vergleichbar war, engagierten sich die Nationen in einem Abwertungswettlauf. Wie auch heute war schon nach der damaligen Krise die Nachfrage schwach, so dass viele Länder sich gezwungen sahen durch Abwertungen den Export anzukurbeln um so Arbeit für die Menschen zu ermöglichen. Wie so viele Vorgehensweisen ist diese Strategie unfair aber erfolgreich. Arbeit und Gewinn wurden so den Ländern gestohlen, deren Währung zu hoch war. Genau das gleiche Erfolgsrezept nur subtiler wurde nach der letzten Krise angewandt. Die gigantischen Anleihekaufprogramme der Notenbanken dienten und dienen nur dem einzigen Zweck, die eigene Währung zu verbilligen. Der japanische Notenbank ist es so gelungen, den Yen um 30 Prozent zu drücken, mit dem Erfolg, dass nach Jahren der Stagnation die Wirtschaft endlich wieder wächst. Dies ist kein Kunststück, wenn man plötzlich 30 Prozent billiger auf dem Weltmarkt anbieten kann. Die Briten haben ihre Währung nach der Krise um 30 Prozent sinken lassen und die Amerikaner arbeiten weiter mit ihrer quantitativen Lockerung an einem schwächeren Dollar, allein im letzten halben Jahr verlor er sieben Prozent gegen den Euro. Diese drei Länder erfreuen sich relativ hoher Wachstumsraten. Arbeitsplätze und Gewinne wurden von den Ländern stibitzt, deren Währungen zu hoch verblieben, wie Kontinentaleuropa oder Brasilien. Bei der jetzigen Währungsrelation wird Europa noch jahrelang dahin krebsen. Es ist allerhöchste Zeit, dass die Europäische Zentralbank bei diesem schmutzigen Spiel mitmischt und in großem Stil Anleihen oder andere Papiere kauft um den Euro zu schwächen, sonst haben wir zwar die Moral aber auch die Pleite auf unserer Seite. Hinzu kommt die verwurstelte Energiewende bei uns. In den USA kosten Strom die Hälfte und Gas ein Viertel. Bei dem nun zusätzlich noch ungünstigen Wechselkurs werden die energieintensiven Branchen wie Chemie, Stahl und Aluminium bei uns noch schneller ausgestorben sein als der Dativ. Wegen der viel besseren Aussichten in den USA werden amerikanische Aktien gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis vollkommen zu Recht etwa 20 Prozent höher bewertet als deutsche Papiere. Für einen Investor mit einem langen Anlagehorizont mag es deshalb trotz der höheren Bewertung Sinn ergeben nach der möglicherweise bevorstehenden mehrwöchigen Kursschwäche einen kleinen Teil in große bekannte Wert aus dem Dow Jones zu investieren oder besser noch den Index selbst als direkt replizierenden Fonds mit ins Depot zu nehmen. 

 

Der Aktionär # 15/2014

Focus Money #1/2014

Das Gespenst der Deflation geht um

 

Viele machen sich Sorgen um eine zu niedrige Inflationsrate, doch stabile Warenpreise begünstigen die Aktienanlage.

 

Die Inflation im Euroraum ist zuletzt auf 0,7 Prozent gesunken. Viele Börsianer fürchten nun von der Deflation heimgesucht zu werden. Doch bei näherem Hinsehen entpuppt sich eine Deflation gar nicht als das schreckliche Monster, als das sie immer dargestellt wird. Es wird oft Japan als abschreckendes Beispiel zitiert, aber Japan erlebte in den letzten 22 Jahren ein fast gleich hohes Wirtschaftswachstum wie Deutschland trotz der zeitweise negativen Inflationsrate. Dass der Nikkei-Aktienindex sich in dieser Zeit so schlecht entwickelt hat, liegt eher daran, dass er 1990 so maßlos überbewertet war. Warum die japanischen Aktien damals mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 100 gehandelt wurden, hat sich mir bis heute nicht erschlossen. Wären die japanischen Aktien damals normal bewertet gewesen mit einem KGV von zehn, hätte sich der Nikkei bis heute ähnlich wie der DAX entwickelt. Auch auf die Verschludungssituationen vieler Länder wirken sich stabile Preise nicht negativ aus, im Gegenteil, durch die sinkenden Zinsen nehmen die Belastungen ab. Die Amerikaner müssen nur noch sechs Prozent ihrer Staatsausgaben für Zinsen aufwenden, vor 20 Jahren waren es 15 Prozent. Nicht sinkende Teuerungsraten und fallende Zinsen werden die tickende Schuldenbombe zur Explosion bringen, sondern steigende. Japan zahlt trotz seiner niedrigen Zinsen von unter einem Prozent 20 Prozent seines Bundeshaushaltes für die Bedienung der Schulden. Stiegen die Zinsen in Japan nur auf fünf Prozent, müssten sie ihre gesamten Steuereinnahmen für Zinszahlungen ausgeben, was den Staatsbankrott bedeuten würde. Der Anleger muss also keine fallenden Inflationsraten und Zinsen fürchten, sondern steigende. Doch die Gefahr, dass es in absehbarer Zeit zu deutlich steigenden Zinsen kommt, scheint gering. Nach der Finanzkrise 1932 in den USA, die in Vielem der letzten von 2008 ähnelte, fiel die Rendite der US-Staatsanleihen noch 13 Jahre nach Ende der Krise. Auch danach ging es nicht steil bergauf mit den Raten, sondern es dauerte weitere 22 Jahre bis der Zinssatz, der während der Krise galt, wieder erreicht war. Wenn man die Parallele zu 1932 fortführt, lägen noch 29 Jahre mit extrem niedrigen Zinsen vor uns. Für den Aktionär wäre das eine rosige Perspektive, denn je niedriger der Zins, desto höher die Aktienbewertung und desto attraktiver die schönen Dividenden. Für Zinsjäger wären das jedoch trübe Aussichten. Wer auf 0,4 Prozent Festgeld sitzt und auf höhere Zinsen wartet, damit er eines Tages wieder einen Sechsprozenter Bund kaufen kann, wie er früher üblich war, müsste sich dann noch sehr sehr lange gedulden. 

 

Der Aktionär #10/14

Aktien bieten keinen Inflationsschutz!

 

Wer von einem drohenden beschleunigten Kaufkraftverlust ausgeht, sollte keine Aktien kaufen. Bei früheren Inflationsphasen verloren Dividenpapiere deutlich an Wert.

 

Immer wieder lese ich ganz fassungslos, Aktien böten einen guten Inflationsschutz. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Zunehmende Geldentwertung führt zu einem Anstieg der Zinsen und der Zins geht maßgeblich in den Bewertungsmaßstab für die Aktienkurshöhe ein. Der Wert einer Aktie ist theoretisch die Summe aller zuküntigen abgezinsten anteiligen Unternehmensgewinne. Eine Verdoppelung des Zinsniveaus sollte so zu einer Halbierung des Aktienkursniveaus führen. In der Tat haben sich Aktien während der Inflationsphasen der Vergangenheit außerordentlich ungünstig entwickelt. Während der Geldentwertungszeit von 1960 bis 1980 fand eine reale Halbierung des Aktienkursniveaus statt und auch während der Zeit der Hyperinflation in Deuschland Anfang der Zwanzigerjahre des letzten Jahrhunderts konnten Unternehmensanteile nicht glänzen. In Goldmark gerechnet fiel der Aktienindex auf ein Zwanzigstel seines Wertes von 1918.

 

Ein Gutteil des Anstiegs des Dow Jones von 1.000 im Jahr 1980 auf über 15.000 heute geht auf das Konto des Inflations- und Zinsrückgangs. Die Rendite langfristiger US-Staasanleihen, die auch Treasuries oder scherzhaft Uncle Sams IOUs (Ich schulde Dir) genannt werden, sank von 15 Prozent auf unter zwei Prozent im Jahr 2013. Der Satz fürs Tagesgeld ging sogar von 20 Prozent auf null Prozent zurück. Möglich wurde dieser Zinsrückgang durch eine von 14,8 Prozent auf unter ein Prozent gefallene Teuerungsrate. Sollte es aus bisher unvorhersehbaren Gründen wie zum Beispiel mehreren Missernten auf Grund einer Klimaänderung oder Ölpreissteigerungen wegen Rückschlägen beim unkonventionellen Extrahieren schwer zugänglicher Lagerstätten zu einer längern Phase mit steigenden Konsumentenpreisen kommen, wäre es vorbei mit der Aktienherrlichkeit.

 

Das ist auch der Grund, warum der Börsenindikator, der Zins und Inflation in seine Berechnung mit einbezieht, in der Vergangenheit so gut abgeschnitten hat. Allein die Beachtung des Einflussfaktors Inflationsrate, also etwa Kauf, wenn die Inflationsrate unter ihren Vorjahreswert gefallen ist und Verkauf, wenn sie wieder darüber gestiegen ist, hätte das Anlageergebnis gegenüber dem DAX um ein Vielfaches gesteigert. Die Inflationsrate ist die Schlüsselgröße für die zukünftige Entwicklung fast aller Finanzanlagen. Wer also glaubt, eine längere Phase mit deutlich steigenden Teuerungsraten läge vor uns, liegt mit Aktien falsch. Der sollte Gold kaufen. Sowohl während der Inflationszeit 1960 bis 1980 als auch während der Hyperinflation 1923 war Gold die beste Anlage. Wer dagegen meint, der seit 1980 laufende Trend zu immer niedrigeren Inflationsraten und Zinsen halte an, sollte Aktien kaufen. Und wer sich nicht entscheiden kann, sollte am Besten gar nichts kaufen.

 

Der Aktionär #7/2014

Börse Online 1/2014
€uro am Sonntag 1/2014

Wann kommt der Tag der Abrechnung?

 

Die Party geht weiter. So lange Inflationsraten und Zinsen niedrig bleiben, steigen die Aktienkurse. Die Rechnung kommt später.

 

Bei der Präsentation seines neuen Buches, "The Map and the Territory", sagte der ehemalige US-Notenbankchef Alan Greenspan in einem Interview anläßlich der heutigen Situation: "Ein Umfeld mit niedrigen Inflationsraten, niedrigen Zinsen und moderatem Wirtschaftswachstum hat bisher in 100 Prozent der Fälle zu Spekulationsblasen geführt." Genau dieses Szenario herrscht bei uns und in den USA vor und die Blase ist schon gut gefüllt. Die Deutsche Bundesbank diagnostiziert eine Überbewertung von 20 Prozent bei Eigentumswohnungen.

 

Auch der Aktienmarkt konnte sich dem Kaufrausch nicht entziehen und wirkt deutlich überbewertet. Warum sind die gleichen Firmen heute 80 Prozent teurer als noch vor zwei Jahren? Welcher Mechanismus lässt die Aktien so an Attraktivität gewinnen, dass bisherige Bewertungsmaßstäbe über Bord geworfen werden? Es ist nicht so, wie vielfach falsch dargestellt wird, dass die überbordende Liquidität in den Aktienmarkt drängt und die Kurse hochtreibt. Es fließt jeden Tag exakt so viel in den Aktienmarkt wie heraus. Für jeden Käufer gibt es einen Verkäufer. Es hat auch nichts mit den Anleihekäufen der US-Notenbank zu tun. Sie sind im Grunde ein Nullsummenspiel und haben deshalb in den vergangenen drei Jahren weder das Wirtschaftswachstum noch die Inflationsrate angekurbelt. Es werden bei diesen Anleihekäufen einfach die Schuldner ausgetauscht. Das Zahlungsversprechen des Staates übernimmt die Notenbank. Sonst ändert sich nichts.

 

Der Grund für die hohe Aktienkursbewertung liegt in den niedrigen Zinsen. Der Tagesgeldsatz von effektiv null Prozent lässt die Anleger jeder Verzinsung hinterherjagen, die sich bietet. Die mageren Renditen von Staatsanleihen von 1,7 Prozent bei uns und 2,6 Prozent in den USA veranlassen bereits Anleihefonds entgegen ihrer Natur Aktien zu kaufen, wie die Financial Times berichtet. Von diesen institutionellen Anlegern werden Papiere aus der Konsumgüter- und Pharmaindustrie mit möglichst konjunkturunempfindlichen Erträgen wie etwa denen von Coca Cola bevorzugt. Bei einer Rendite Deutscher Bundesanleihen von sechs Prozent, wie sie lange Jahre üblich war, käme heute niemand auf die Idee auf diesem Kursniveau Aktien zu kaufen. Man könnte sichere sechs Prozent kassieren und müsste sich nicht für läppische drei Prozent Dividendenrendite das Kursrisiko der Aktien ans Bein binden.

 

Eine dauerhafte Halbierung der Rendite der Staatsanleihen führt theoretisch zu einer Verdoppelung des Aktienkursniveaus. Umgekehrt zieht eine Verdoppelung der Rendite eine potenzielle Halbierung des Aktienkursniveaus nach sich. Der zeitliche Ablauf des Entstehens und des Platzens vergangener Spekulationsblasen zeigt, dass solange die Zinsen niedrig blieben, die Aktienkurse weiter stiegen, sogar bis in absurde Höhen. Doch so bald die Inflationsrate deutlich anzog und mit ihr die Zinsen, nahte der Tag der Abrechnung.  

 

Der Aktionär 47/13

Neue Rekordkurse sind erreicht. Und jetzt?

 

Der DAX hat mittlerweile den höchsten Stand aller Zeiten erklommen. Lohnt es sich da jetzt noch zu kaufen, sind die Aktien nicht schon viel zu teuer?

 

Ein langer Weg nach oben liegt hinter den deutschen Aktien. 140 Prozent konnten sie seit den Turbulenzen nach der Lehmann-Pleite zulegen. Sie sind nun wahrlich nicht mehr billig. Mit der populären Messlatte, dem Kurs-Gewinn-Verhältnis, verglichen, ergibt sich ein durchschnittlicher Wert für die 30 DAX-Aktien von fast 14, bei realistisch abgeschätzen Unternehmensgewinnen 2014. Auch das vom frisch gekürten Nobelpreisträger Robert Shiller propagierte "cyclical adjusted p/e", das den aktuellen Kurs in Beziehung zu den inflationsbereinigten Unternehmensgewinnen der letzten zehn Jahre setzt, ist mit deutlich über 20 schon jenseits von gut und böse. Auch die durschschnittliche Dividendenrendite, die sich aus der vermutlichen Höhe der im nächsten Jahr anstehenden Ausschüttungen ergibt, wirkt mit 2,8 Prozent eher mager. Mit diesen drei Maßstäben gemessen scheint der deutsche Aktienmarkt aktuell klar überbewertet. Auch einzelne Aktien sind mittlerweile drastisch teurer als noch vor wenigen Monaten. Selbst die langjährige Schnarchnase Deutsche Telekom kostet 45 Prozent mehr als noch im März, Daimler 50 Prozent. Die schon totgeglaubten E.ON und RWE konnten das Krankenlager verlassen und 15 beziehungsweise 25 Prozent steigen.

 

Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass Aktienkurse besonders dann gerne weiter steigen, wenn sie bereits überbewertet sind. An der Börse muss man immer den Umkehrschluss beachten: Die Aktien wären jetzt nicht überbewertet, wenn die Aussichten nicht so günstig wären. Die hohe Bewertung ist das ganz klare Zeichen des Marktes, dass ihm das Umfeld gefällt. Die wichtigsten Einflussfaktoren, Zins und Inflationsrate, bleiben mikroskopisch klein, so weit das Auge blicken kann. Ein moderates Wirtschaftswachstum von einem Prozent in Europa, ist genau der Wert, der den Aktienkursen optimale Wachstumsbedingungen beschert. Ein Boom mit Raten über drei Prozent wäre kontraproduktiv, die Inflationsrate und der Zins würden steigen und die Aktienblüte schnell verwelken. Negative Wachstumsraten wären ebenfalls von Übel, da dann die Unternehmensergebnisse wegbrechen würden. Aus der leichten Überbewertung des Marktes kann man also schließen, dass es vermutlich weiter bergauf gehen wird.

 

Nach der legendären Rede vom damaligen US-Notenbankchef Alan Greenspan im Dezember 1996, in der er die viel zu hohe Bewertung der amerikanischen Aktien anprangerte und von "irrational exuberance", irrationalem Überschwang, der Marktteilnehmer sprach, verdoppelte sich der Dow Jones in den folgenden drei Jahren. Danach, ab dem Jahr 2000, als sich die Inflationsrate auf 3,8 Prozent verdoppelt hatte und daraufhin der Tagesgeldsatz auf über sechs Prozent angehoben worden war, ging es dafür um so hefiger nach unten mit den Kursen, muss man fairerweise hinzufügen.

 

Der Aktionär #44/2013

Kein Wölkchen am Himmel

 

So lange die Inflationsrate nicht über 2,5 Prozent steigt und die Europäische Zentralbank den Geldmarktsatz nicht erhöht, droht kein Unwetter.

 

Die Börsianer freuen sich über die gestiegenen Kurse. Ein neues Allzeithoch ist erreicht und das im September, dem traditionell schwächsten Monat des Jahres. Alles könnte so schön sein, wenn dem Aktionär nicht die ständige Angst im Nacken säße, über Nacht könne die nächste Finanzkrise über ihn hereinbrechen und die Kurse wieder in den Abgrund stürzen lassen. Wie kann er sich nur davor schützen? Crashresistente Aktien gibt es nicht. Im Ernstfall geht die Korrelation gegen eins. Alles fällt, außer Bargeld und Staatsanleihen von vertrauenswürdigen Ländern. Vor dem nächsten Kursdebakel müssen also die Aktien wieder verkauft sein. Woher weiß er aber, wann es soweit ist? Die großen Kurseinbrüche, die ich erlebt habe, hatten alle eins gemeinsam, vorher stiegen die Zinsen deutlich an. Vor dem großen Oktobercrash 1987 legte die Rendite der zehnjährigen US-Treasuries, mit denen der amerikanische Staat sich finanziert von sechs auf zehn Prozent zu und in Deutschland sprang die Umlaufrendite öffentlicher Anleihen von fünf auf sieben Prozent.

 

Steigende Zinsen bedeuten Gift für den Aktienmarkt. Den theoretischen Werte einer Aktie bestimmen die abgezinsten zukünftigen Unternehmensgewinne. Bei einem höheren Zins sind die kommenden Erträge heute weniger wert. Außerdem wird das Konkurrenzinvestment, die Anleihe gegenüber der Aktie attraktiver. Zinsen, sowohl die Renditen der Anleihen, die sich am Markt bilden, als auch die Tagesgeldsätze, die von der Notenbank festgelegt werden, orientieren sich an der Inflationsrate. Bei steigender Teuerung klettern sowohl die Renditen der Anleihen, weil die Käufer den Kaufkraftverlust ausgleichen wollen, als auch die Tagesgeldsätze, weil die Notenbanken versuchen mit steigenden Zinsen die Inflation zu bekämpfen.

 

Vor der großen Finanzkrise im Jahr 2008, die vom amerikanischen Immobilienmarkt ausging, erhöhte die amerikanische Notenbank den Tagesgeldsatz in Stufen von eins auf über 5 Prozent. Viele neue Hausbesitzer konnten damit die Raten der Hypotheken, die sich an diesem Tagesgeldsatz orientieren, nicht mehr bedienen. So kam es zu Zwangsversteierungen, die das gesamte Immobilien-Preisniveau abstürzen ließen. Die gestiegenen Zinsen waren nicht ursächlich für die Krise, wohl aber für den Zeitpunkt des Ausbruchs. Vor der europäischen Finanzkrise im Sommer 2011, die den DAX 30 Prozent kostete, erhöhte die EZB den Tagesgeldsatz, um die auf über 2,8 Prozent gestiegene Inflationsrate zu bekämpfen.

 

Aus diesem Grund hat auch der Börsenindikator, der Zins, Inflation, Jahreszeit und Dollarkurs beobachtet, in der Vergangenheit so gut funktioniert. Er hat den Aktionär aus jedem Schlamassel herausgehalten. So lange also die Inflationsrate nicht über 2,5 Prozent klettert und die Europäische Zentralbank den Hauptrefinanzierungssatz nicht anhebt, sollte der Aktionär ruhig schlafen können.

Der Aktionär #  /2013

Tödlicher Unfall bei der Dividendenjagd

 

Gerade die hochrentierenden Aktien haben sich als anfällig erwiesen. Die angegebenen hohen Renditen ergeben sich oft nicht durch gestiegene Zahlungen, sondern durch gefallene Aktienkurse.

 

Im Jahr 2007 versprachen die europäischen Bankaktien hohe Dividendenrenditen von bis zu acht Prozent. Wer den Ertrag seines Portfolios aufbessern wollte und dachte, mit den Bankaktien könnte er höhere Dvidendeneinnahmen erzielen, erlebte in den Jahren 2008 und 2009 sein Waterloo. Die belgische Bank Fortis, die durch eine besonders hohe Dividendenrendite aufgefallen war, ging vollkommen pleite. Obwohl am Sonntag, vor dem Montag, an dem die Schalter geschlossen blieben, der Chef von Fortis noch mit einem treuen Blick vor die Kameras getreten war und versichert hatte, dass es keine Probleme gäbe, die Bank solvent sei und die weitere Aussicht glänzend.

 

 Die Aktie der Societe Generale, von der man noch 2007 eine Dividendenrendite von über 5 Prozent erwartete, verlor 85 Prozent ihres Kurswerts. Der Aktienkurs der Commerzbank liegt immer noch halbtot im Koma. Auch von den deutschen Stromversorgern erhoffte man sich in den letzten Jahren hohe Dividendeneinnahmen, nur um wieder und wieder enttäuscht zu werden. Die üppigen Dividenzahlungen entpuppten sich als Chimären und die Aktienkurse verloren über 50 Prozent ihres Wertes. Dabei hätte die einfache Frage: Warum hat ein Unternehmen so eine hohe Dividendenrendite, wenn es für eine sichere Anlage wie eine Deutsche Bundesanleihe nur 1,6 Prozent gibt?, den potenziellen Käufer vor Schaden bewahrt.

 

Viele Anleger lassen sich durch augenscheinlich niedrige Aktienkurse und hohe Dividendenrenditen blenden. Doch Aktien, die billig scheinen und eine hohe Dividenrendite aufweisen, sind im Grunde zu teuer, da viele Anleger diese Aktien kaufen, weil sie wie ein Schnäppchen aussehen und eine hohe Redite besitzen. Dadurch haben mehr Anleger diese Aktien gekauft, als sie gekauft hätten, wenn sie nicht preiswert und hochverzinslich aussähen. Dadurch sind sie zu teuer. Im Gegenzug hat manch ein Investor eine Aktie, die teuer aussieht und schon gestiegen ist, nicht gekauft, weil sie ihm schon zu teuer schien. Dadurch haben weniger Anleger die Aktie gekauft, als sie gern gekauft hätten. Dadurch sind teuer aussehende Aktien zu billig. Es klingt paradox, aber Aktien, die billig scheinen, sind in der Regel zu teuer und die, die hoch bewertet anmuten, zu billig. Die im Leben sonst möglicherweise sinnvolle Strategie, etwas billig zu bekommen, Schnäppchen hinterher zu jagen und Sondernagebote zu nutzen, führt an der Börse in die Irre. Auf diesem Zusammenhang beruht auch der Erfolg des TSI-Prinzips, Aktien zu kaufen, die bereits gestiegen sind. Eine Aktie, die geklettert ist, setzt den Höhenflug eher fort, als dass eine sinkende Aktie dreht und sich zu erholen beginn.

Der Aktionär # 36/2013

 

Die Inflation wohnt hier nicht mehr

 

Es fehlt einfach die Nachfrage um dauerhaft steigende Preise wahr werden zu lassen. Die Aktien könnten von diesem Szenario profitieren.

 

In den letzten vier Jahren hat Präsident Obama das größte jemals auf Pump finanzierte Konjunkturprogramm ins Rollen gebracht. Dazu hat er mehr neue Schulden aufgenommen als alle 43 Präsidenten vor ihm zusammengenommen, einschließlich der acht Jahre von George W.Bush, - pro US-Familie 78.000 Dollar. Zusätzlich hat der amerikanische Notenbank-Chef Bernanke die lockerste jemals verwaltete Geldpolitik mit einem Zins von null Prozent und 85 Mrd. Dollar monatlich frisch gedrucktem Geld gesteuert. Das Resultat nach vierjährigem Bemühen die Wirtschaft auf Trab zu bringen, lautet 1,1 Prozent Wachstum im Mittel der letzten beiden Quartale. Die Kerninflationsrate ist mit einem Prozent auf den tiefsten Stand seit 50 Jahren gefallen. Im Rest der Welt sieht es nicht viel besser aus. China und die übrigen Emerging Markets enttäuschen von Quartal zu Quartal. In Europa wird das Wachstum vermutlich weder 2014 noch 2015 ein Prozent übertreffen. Nachfrage fehlt an allen Ecken und Enden. Als Folge kollabieren die Rohstoffpreise. Aluminium, Kupfer und Gold waren vor zwei Jahren 50 Prozent teurer. Die Weltmarktpreise von Kakao, Kaffee, Orangensaft, Baumwolle, Palmöl und Zucker haben sich binnen zwei Jahren fast halbiert. Der Weizenpreis ist in den letzten 9 Monaten 30 Prozent gefallen. Nur der Mais konnte sich dem Abwärtstrend entziehen. Aus diesem wertvollen Lebensmittel wird mittlerweile hauptsächlich Biosprit hergestellt. Die Zeit steigender Preise ist vorbei. Das Ein-Prozent-Szenario - ein Prozent Wachstum und ein Prozent Inflation - wird uns vermutlich die nächsten zehn Jahre begleiten. Für die Aktien wirkt dieses Szenario günstig. Wenn es in den nächsten Jahren für Festgeld und fünfjährige Bundesanleihen nicht mehr als ein halbes Prozent Zinsen gibt, erscheinen Aktien mit ihren Dividenden sehr verlockend. Firmen, die auch in mageren Jahren stabile Erträge und Dividenden vorweisen können, wie die Pharma- und Nahrungsmittelhersteller, sollten erste Wahl sein. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings in dem rosigen Aktienszenario der stabilen Warenpreise. Hin und wieder treten deflationäre Schuldenkrisen wie die von 2008 oder 2011 auf. Schulden werden nicht mehr "weginflationiert", sondern lasten immer schwerer. Wie kann man sich vor diesen Krisen schützen? Aufpassen, dass man da nicht hineingerät. Etwas Anderes hilft nicht. In der Krise fällt alles, ausser Bargeld. Gute Aktien erholen sich danach wieder, wie sie sich auch nach den letzten Krisen wieder bekrabbelt und neue Höchstkurse erzielt haben. Absolute Sicherheit verspricht nur Bargeld in Hunderter-Stückelung im Schließfach.  

 

Der Aktionär #32/13

Euro # 7/13

50 Jahre lang in den Auspuff geschaut

 

Einige Aktien konnten 50 Jahre lang keinen Kursfortschritt erzielen. Die Machtverhältnisse im Unternehmen ließen es nicht zu.

 

Einen großen Teil der Ausgaben von Unternehmen stellen die Personalkosten dar. Im Grunde sind sogar fast alle Zahlungen neben den Steuern, Zinsen und Mieten direkt oder indirekt Personalausgaben, denn die Preise der Vorprodukte oder verwendeten Halbfertigprodukte setzen sich ja auch wieder aus Steuern und Personalkosten zusammen. Selbst die Aufwendungen für Rohstoffe sind indirekt Personalkosten, denn die Erde wird ja nicht für ihr Eisenerz bezahlt, sondern derjenige, der es ausbuddelt. Die andere Seite der Bilanz ist meist vorgegeben. Jedes Unternehmen verkauft so viel wie möglich und zu dem höchsten Preis, den es erzielen kann. Die Höhe des Unternehmensgewinns wird dann dadurch bestimmt, wie hoch die Zahlungen für das Personal sind.

 

Bei einer Firma wie beispielsweise der Deutschen Lufthansa haben die Beschäftigten die Oberhand. Ein Streik der Piloten oder des Bodenpersonals legt den gesamten Betrieb lahm und entzieht der Firma jegliche Erlöse. Die Angestellten kommen deshalb so gut wie mit jeder Forderung durch. Obwohl Lufthansa heute mehr als zehnmal so viele Passagiere befördert wie Anfang der Sechzigerjahre und die Piloten zehnmal so viel verdienen wie damals, konnte die Lufthansa-Aktie bis heute nicht abheben. Sie notiert - Kapitalerhöhungen, Aktiensplitts und Währungsumstellung berücksichtigt - unter dem Stand von 1965. Auch in den USA ließ sich deshalb mit Fluglinien auf Dauer kein Geld verdienen. Alle Fluglinien der USA haben von 1945 bis heute zusammengenommen mehr Geld verloren als Gewinne eingestrichen. Große Carrier wie PanAm und TransWorldAirlines wurden in die Pleite gestreikt.

 

Auch die Aktionäre von VW hatten, von den letzten drei Jahren abgesehen, wenig Freude an ihren Papieren. Im Jahr 2009 notierten sie kaum höher als Anfang der Sechzigerjahre, Aktiensplits berücksichtigt. Ein Streik im Stammwerk konnte lange Zeit die gesamte Produktion lahmlegen. So gut wie allen Forderungen der Gewerkschaft musste deswegen Folge geleistet werden. Die Zahl der gebauten Autos hat sich verzehnfacht, der Lohn der Fabrikarbeiter hat sich verzehnfacht, nur der Eigentümer der Firma, der Aktionär, hat 50 Jahre lang in den Auspuff geguckt.

 

 

Anders hat sich dagegen die Allianz-Aktie entwickelt. Kein Streik im Stammwerk und keine Forderung der Piloten konnten bei der Allianz den Strom der Erlöse zum Erliegen bringen. Ihr Aktienkurs hat sich seit Anfang der Sechzigerjahre verzwanzigfacht. Die Machtposition der Beschäftigten von Coca-Cola, Microsoft und McDonalds ist auch eher beschränkt. Ihnen fehlen die Mittel ihr Unternehmen in die Knie zu zwingen. Der Wert der Aktien dieser Unternehmen hat sich jeweils mehr als verhundertfacht. Jeder Anleger, der eine Aktie für ein langfristiges Investment auswählt, muss daran denken, dass jeder Kuchen nur einmal verteilt werden kann und er sollte gut überlegen, welches Stück vom Kuchen ihm zugedacht sein wird.

Der Aktionär # 27/13
Der Aktionär # 24/13
Der Aktionär 14/2013
Der Aktionär #2/2013